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Tradition im Rheinland: Der Maibaum

Bevor der Mai endgültig vorbei ist, schnell noch ein paar Bilder zu einer Tradition, die im Ruhrgebiet, wo ich wohne, keine wirkliche Rolle spielt, umso mehr jedoch dort, wo ich aufgewachsen bin – im Rheinland, präziser: in der rheinischen Provinz. Es geht um den Maibaum.
Anlässlich eines Aufenthalts in der Eifel bin ich ihm nach vielen Jahren wieder begegnet.
Natürlich gibt es die Tradition der Maibäume auch in anderen Gebieten Deutschlands und darüber hinaus, aber ich bin nun mal mitten im Rheinland sozialisiert worden und so von Kindsbeinen an damit vertraut.
Von früher kannte ich zwei Arten des Maibaumes:
1.) den „offiziellen“ Baum
2.) den „persönlichen“ Baum am Haus der Liebsten
In diesem Jahr habe ich festgestellt, dass es mittlerweile – wahrscheinlich schon länger, ich war einfach lange nicht mehr in der Region – eine dritte Art des Maibaumes gibt:
3.) Maibäume und -sträucher als Deko im öffentlichen Raum
Die Bilder unten zeigen Beispiele aller drei Arten.

 

 

1.) Der „offizielle“ Maibaum wird meist an einem zentralen Platz eines Ortes zeremoniell aufgestellt. Er ist der Baum einer Gemeinde oder eines Schützenvereins oder der der Dorfjugend etc.
Vermutlich ist es hier die Dorfjugend, die die Bilder oben beim Schmücken und Aufrüsten des Maibaumes von Einruhr zeigen. Natürlich darf die Getränkeversorgung nicht fehlen. Das Ende des Ganzen ist immer äußerst feucht-fröhlich.
Unten: Maibaum in Zons/Rhein

 

 

 

2.) Die „persönlichen“ Maibäume bzw. -sträucher sind „Pärchenangelegenheit“. Es handelt sich meist um geschmückte Birkenäste, die traditionell von den Jungs an das Wohnhaus der (ersehnten) Partnerin angebracht werden. Das war – zumindest früher – oft ein spannendes „verstecktes Outing“, wenn nicht offensichtlich war, wer es denn war, der mit diesem Liebesbeweis sein intensives Interesse an einer bestimmten weiblichen Person bekunden wollte …
Am 30. April war in meiner (reinen Mädchen-) Klasse früher immer absolute Hochspannung angesagt, wer denn wohl von wem  … oder auch – schrecklich schrecklich – eben nicht …
Populär war auch – vor allem im dialektalen Sprachraum – das Verb „maien“. Ein Junge maite ein Mädchen durch das Setzen eines Maibaumes. Manchmal wurde auch über ein Pärchen gesagt: „Die beiden maien.“
Die Beispiele für einen „persönlichen“ Baum unten stammen aus Kommern/Eifel (2) und Bad Münstereifel.

 

 

 

 

 

3.) Neu für mich war die „Vereinnahmung“ der Maibaumtradition für den öffentlichen Raum im SInne des Marketings und der Stadtverschönerung. Vor allem für Touristen attraktive Orte waren im Ortskern oft in vielfältiger Weise mit geschmückten Bäumen ausgestattet. Manchmal waren es extra aufgestellte und dekorierte Birkenbäume, oft wurden auch einfach nur die „Bestandsbäume“ mit bunten Bändern aufgehübscht.
So verständlich ich das alles finde, letztlich bedeutet auch dies wieder die Instrumentalisierung und Entleerung einer jahrhundertealten Tradition, die in diesem Fall ein Ritual des Paar- und Paarungsverhalten junger Menschen im Wonnemonat Mai repräsentiert, zugunsten kommerzieller Interessen von Geschäften und Gemeinden.
Nett anzusehen, trotzdem schade …
Beispiele für Maibäume im öffentlichen Raum: Bad Münstereifel (4), unterstes Bild: Kommern/Eifel

 

 

 

 

 

 

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