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27. Januar: Holocaust-Gedenktag 2016

In den letzten Jahren habe ich am Holocaust-Gedenktag, der immer am 27. Januar begangen wird, in meinen Beiträgen Bilder aus Konzentrationslagern gezeigt, die ich besucht habe: Buchenwald bei Weimar, Majdanek bei Lublin und Esterwegen in Ostfriesland. Das Erinnern an bestimmte Ereignisse ist immer auch an Bilder gekoppelt, die im wahrsten Sinne des Wortes wieder aktuell “bildhaft vor Augen führen”, was mit welchen Konsequenzen in der Vergangenheit geschehen ist.

In diesem Jahr möchte ich das anders halten. Anlass dazu war dieser Tweet, den ich am 10. Januar auf Twitter gefunden habe:
“Wer sich im Geschichtsunterricht gefragt hat, wie man in den 1930ern in kurzer Zeit so viel Hass säen konnte, kann nun live zuschauen.” (Quelle)
Kann es sein, dass wir mittlerweile nicht mehr in der Phase des Gedenkens sind, sondern schon wieder in der, in der es heißt: Wehret den Anfängen?

Wenn ich mir anschaue, wieviel blanker Hass sich auf Demonstrationen und in Foren, Kommentaren, Leserbriefen und Drohungen auf das Primitivste und gleichzeitig in brutalster Weise Bahn bricht und niederschlägt, dann …
Ungebremste Aggression! Gewaltbereite Massen!
Fehlt nur noch ein “starker Mann” …
Es gibt mittlerweile keine Hemmschwelle mehr, das wieder zu fordern, an das wir uns heute am Holocaust-Gedenktag schmerzlich erinnern – das Vokabular ist eindeutig, Taten wie Brandanschläge auf Flüchtlingsheime sind die Konsequenz.

Wir sind schon wieder so weit, dass große Zeitungsportale mittlerweile ihre Kommentarfunktion einschränken müssen, weil sie der Schwemme gnadenlos brutaler Hasskommentare – dazu oft in unsäglich erbärmlich schlechtem Deutsch verfasst – nicht mehr Herr werden.
Wir sind schon wieder so weit, dass Menschen, die sich für einen fairen Umgang mit den Flüchtlingen einsetzen, persönlich massiv bedroht werden.
Wir sind schon wieder so weit, dass Gewalttaten vorgetäuscht werden, um sie speziellen Bevölkerungsgruppen in die Schuhe zu schieben.
Wir sind schon wieder so weit, dass Taten, die natürlich rechtsstaatlich geahndet werden müssen, kollektiv bestimmten Menschengruppen zugeordnet werden, um sie undifferenziert zu diffamieren.
Politik, Polizei und Justiz scheinen unfähig zu sein, effektiv einzugreifen. Manchmal erscheint es sogar so, als seien sie unwillig: Wie die Polizei in Teilen von Sachsen/Sachsen-Anhalt agiert oder eben nicht, das lässt dann schon einmal den Verdacht aufkommen, dass es in diesen Reihen auch stillschweigende Unterstützung der braunen Rotten gibt.

Zum Holocaust-Gedenktag heute:
Die Dinge können sich wiederholen. Ganz anders natürlich in Form und Inhalt, aber vergleichbar in der Sache!
Wehret den Anfängen!

Die Bilder zeigen eine Demonstration von Flüchtlingen – von ihnen gewollt und organisiert -, die ich am Samstag in Würzburg erlebt habe. Das Motto:
„Coexist – Flüchtlinge melden sich zu Wort“

 

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