Müngstener Brücke – Der Rundweg

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Allgemein, Deutschland, Natur, Ruhrgebiet und umzu

Müngstener Brücke – Der Rundweg

Aus einer virtuellen Beziehung kann eine konkrete werden, quasi im „richtigen Leben“, von der dann wieder ein Beitrag in den virtuellen Raum gestellt werden kann …
Elke und ich folgen uns schon seit Jahren auf Twitter – u.a. wegen des gemeinsamen Hobbys: Fotografieren.
Da beschlossen wir vor einiger Zeit, uns doch auch einmal im real life zu treffen und eine gemeinsame Fotowanderung zu unternehmen.
Als Ziel wählten wir die berühmte Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid, da Elke gerne dort war, sich entsprechend da schon auskannte und ich immer schon einmal dorthin wollte.
Aus unterschiedlichen Richtungen kommend, verabredeten wir uns bekannter- und doch unbekannterweise an der S-Bahn-Station Solingen-Schaberg. Diese ist ein wirkliches Kuriosum und eigentlich selbst schon einen Beitrag wert: idyllisch, abgeschieden am Rande eines Waldgebietes – fernab jeden städtischen Straßennetzes, komplett ohne Anschluss an Busverkehr oder sonst etwas. Es gibt nur eine einzige Zufahrt zur Station: Es ist eher ein befestigter Weg als eine Straße, die zu dem Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert führt – einspurig. Ein single track way würde man im schottischen Highland dazu sagen. Touristisch liegt die Station allerdings günstig, da man dort parken und einen Rundweg um die Müngstener Brücke herum starten kann.
Genau das taten wir.

Die Müngstener Brücke (1895-1897) ist die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands – zum Ende des 19. Jahrhunderts eine erstaunliche Ingenieursleistung. Die Brücke überspannt das Tal der Wupper in 107 Metern Höhe zweigleisig zwischen den Städten Remscheid und Solingen. Bis zum Ende des Kaiserreiches 1918 hieß die Brücke Kaiser-Wilhelm-Brücke. Danach benannte man sie nach der benachbarten Siedlung Müngsten, die in den 1960 Jahren beim Ausbau der Bundesstraße verschwand.
Immer wieder wurden kostspielige Reparaturarbeiten an der Brücke nötig, die hauptsächlich von der Deutschen Bahn getragen wurden, zuletzt 2015. Genutzt wird sie im Regelverkehr von der S-Bahn-Linie S 7 sowie dem Regional-Express RE 47 („Düssel-Wupper-Express“). Außerdem gibt es Güterverkehr.
Seit 2012 wird versucht, die Müngstener Brücke zusammen mit anderen als transnationales Welterbe anerkennen zu lassen unter dem Motto: „Europäische Bogenbrücken des späten 19. Jahrhunderts“

Der Weg von der S-Bahn-Station Solingen-Schaberg bergab zur Müngstener Brücke ist schön, aber nicht ohne: uneben und z.T. ziemlich steil und abschüssig.
Schon bald trafen wir auf eine Gruppe professionell ausgerüsteter Männer. Auf unsere Nachfrage hin wurde uns gesagt, dass sie nachher auf und von der Brücke ein Höhenrettungstraining absolvieren würden. Dazu später mehr.

Hier sieht man die oben schon erwähnte Gruppe Höhenretter bei ihrem Training. Sich da abseilen zu lassen …
Es gibt übrigens Überlegungen, einen Skywalk einzurichten für Menschen, die Spaß an Abenteuern haben, aber nicht das Wagnis einer Kletterpartie auf dem Brückensteig eingehen wollen.
Übrigens hat die Müngstener Brücke auch einen schwierigen Ruf, was Suizide angeht …

 

Endlich unten …

Unten angekommen, befindet man sich im sog. Brückenpark. Bis 2006 erbaut, ist dies ein Park mit einer Auenlandschaft. Attraktionen sind z.B. eine handbetriebene Schwebefähre, mit der Passanten die Flussseite wechseln können, eine Minigolfanlage und mehr.

Leider waren an unserem Wandertag alle Imbisse geschlossen, so dass wir auf das Restaurant Haus Müngsten ausweichen mussten. Von der Terrasse hat man einen wirklich grandiosen Blick auf die Brücke. Das machte es irgendwie wett, dass der bestellte Flammkuchen teuer und nicht besonders gut war.

Es gibt übrigens auf der Remscheider Seite der Wupper einen sehr schön gelegenen Aussichtspavillon, der nach dem Finanzier August Diederichs Diederichstempel benannt wurde. Von dort aus hat man sicher auch einen grandiosen Blick auf die Brücke. Diesen zusätzlichen Ausflug haben wir aber an diesem Tag nicht mehr geschafft.

An der Eventschmiede vorbei ging unser Weg wieder Richtung Aufstieg hoch zu unserem Ausgangspunkt S-Bahnhof Schaberg. Dieser Aufstieg war zwar deutlich kürzer als der Hinweg zur Brücke nach unten an die Wupper – aber entsprechend auch deutlich steiler.

Danke, Elke, das war ein wirklich schöner Tag!

 

3 Kommentare

  1. Vielen Dank, wieder einmal sehr beeindruckend – sowohl die Bilder als auch deine Geschichte dazu!
    Bei dem Begriff ‚Müngstener Brücke‘ klingelt etwas in meinem Hinterkopf, ganz leise … irgendeine verlorene Erinnerung aus meiner Kindheit … aber ich kriege es grad noch nicht zu fassen. Nur so viel: da war mal was.
    ;-)
    Liebe Grüße!

    • speysight

      Danke!
      Das geht mit tatsächlich ähnlich. Ich wohnte damals in der Nähe von Aachen, und ich glaube, wir haben in der 3. Klasse einen Ausflug dorthin und nach Schloss Burg a.d. Wupper gemacht. Konkrete Erinnerungen habe ich aber keine mehr.

  2. Danke, das ist ein sehr ausführlicher Bericht mit tollen Bildern! Vor allem das Brückenfoto mit der S-Bahn oben und dem Durchblick durch die Stahlkonstruktion auf den Diederichstempel ist genial. Die Strecke am Tempelchen vorbei ist nicht so steil, die würde ich beim nächsten Mal vorschlagen. Und vielleicht ist dann auch der Kiosk in Nähe der Fähre wieder geöffnet, der war ja damals geschlossen. Den ‚Wupperschlamm‘ muss man probieren, echt lecker!
    Dein Beitrag macht Lust auf Mehr …

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