Hüter des Hofes

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Animals, Kroatien, Unterwegs

Hüter des Hofes

Auf dem Weg zum wunderbar schönen Nationalpark Plitvicer Seen in Kroatien fuhren wir ein Stück weit an der Frontlinie des Krieges zwischen Serben und Kroaten vorbei. Dieser Krieg ist so unendlich lange noch nicht vorbei, und man sieht durchaus noch Häuser, die unter Beschuss zerstört wurden. Für jemanden, der noch nie Krieg und Zerstörung erlebt hat, ist das schon ein merkwürdiges Gefühl.

Jedenfalls kamen wir auf diesem Weg auch durch ein Dorf, dessen Bewohner zu einem nicht unerheblichen Teil davon leben, durchfahrenden Touristen Käse, Honig und Olivenöl zu verkaufen. Während der Großteil unserer Reisegruppe brav das entsprechende Angebot studierte, schaute ich mir den hinter dem Verkaufsstand liegenden, zugänglichen Hof an – und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen:
Ehe ich ihn gesehen hatte, hatte ich ihn gehört, den Wachhund, den Pitbull: ein kleines, kompaktes Kraftpaket, eine angespannte Kampfmaschine in gefährlich ruhiger Pose.
Er bellte nicht, das hatte er nicht nötig – es war viel schlimmer: Er gab ein tiefes, grollendes Geräusch von sich, das so ungeheuer gefährlich klang, dass ich tatsächlich eine Gänsehaut bekam. Natürlich – und Gott sei Dank – war dieser Cerberus in Pitbull-Gestalt angekettet.
So konnte ich in aller Ruhe meine Kamera aus der Tasche nehmen …

Der Pitbull hasste es. Er drückte es unmissverständlich und vollkommen aus. Er blieb vordergründig ganz ruhig, bewegte sich so gut wie nicht, aber seine gesamte Haltung, sein Kopf, sein Blick, seine Ohren und vor allem das unaufhörlich von tief unten aus dem Körper kommende und grausam gefährlich klingende Grollen machten es überdeutlich: Wenn er gekonnt hätte, hätte er mich mit Freuden in Stücke gerissen. Angekettet aber konnte er nichts weiter tun. Es war klar, dass er seine Hilflosigkeit realisierte, er rasselte noch nicht einmal an seinen Ketten. Irgendwann setzte er sich, hielt kurz inne, und dann war es wohl für ihn am erträglichsten, die Situation zu verlassen.

Es ist natürlich ein menschlich Ding, einem Tier Gefühle und Handlungsabsichten zuzusprechen. Dieser Cerberus jedoch gab seiner Natur in allem absolut eindeutig Ausdruck.
Wir schauten uns die ganze Zeit an.
Die Situation war eindeutig: Es gab nur sie – und darin ihn und mich.
Uns einander „gegenüber stehend“, „wussten“ wir umeinander. Wir bewegten uns im Einen.
Es war irgendwie ein vollkommener Moment.

 

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